Aktuell: Die richtige Pflege bei empfindlicher und allergischer Haut
Allergien gehören heute zu den häufigsten Erkrankungen. Schätzungen gehen davon aus, dass ein Viertel der Bevölkerung betroffen ist. Während bei den „echten“ Allergien im Allergietest eine krankmachende Steigerung von natürlichen Immunfunktionen nachzuweisen ist, gibt es immer mehr Menschen, die über „Unverträglichkeiten“ klagen, ohne dass der Test eine allergieauslösende Substanz identifiziert. Die Betroffenen klagen über die unterschiedlichsten Symptome, die von Rötungen, Spannungsgefühlen und trockener Schuppung bis hin zu Juckreiz und dem Auftreten von vermehrten Hautunreinheiten reichen.
HAUTREPORT: Herr Professor Paul, immer mehr Menschen klagen
über Unverträglichkeiten von Hautpflegeprodukten oder Hautreizungen
unklarer Ursache. Oft verläuft ein Allergietest beim Dermatologen
aber negativ. Wie lässt sich das erklären?
PROFESSOR PAUL: Hier muss man die empfindliche Haut, die von manchen Menschen auch als allergische Haut bezeichnet wird, von einer echten Allergie unterscheiden, die sich zum Beispiel als Ekzem oder Nesselsucht äußern kann. Bei einer echten Allergie ist im Allergietest ein bestimmter Stoff als Auslöser der Hautveränderungen zu identifizieren, bei Cremes oder Salben lösen Duftstoffe am häufigsten Kontaktallergien aus. Der Begriff „allergische Haut“ dagegen ist keine medizinische Diagnose, sondern eine Umschreibung für eine Vielzahl an Ursachen und Hautreaktionen, ohne dass ein auslösender Stoff bestimmt werden kann.
HAUTREPORT: Wie kommt es dann zu diesen Hautreaktionen,
die zum Teil ja sehr unangenehm und störend sind?
PROFESSOR PAUL: Die Ursachen sind nicht endgültig geklärt, aber ein Grund für die Überempfindlichkeit ist sicher die zunehmende Belastung der Hautoberfläche durch Einflüsse von außen. Die äußere Schicht der Haut schützt den Körper vor Austrocknung, Krankheitserregern und Umweltschadstoffen. Diese Schutzfunktionen können nur erhalten werden, wenn die beiden Kernkomponenten der Hautoberfläche, die Hornschicht und der Säureschutzmantel mit einem pH-Wert von 5,5 intakt sind. Ist die Barrierefunktion gestört, kann es zum Beispiel zu diesen Hautreizungen kommen, die als allergische Haut wahrgenommen werden. Bei Barrierestörungen wird die Haut durchlässiger und es dringen vermehrt Substanzen ein. Menschen mit sensibler Haut reagieren sehr empfindlich auf Umweltfaktoren, wie Heizungsluft, Sonnenbestrahlung oder bestimmte Inhaltsstoffe von Hautpflegemitteln.
HAUTREPORT: Wie entsteht die Störung dieser Barrierefunktion?
PROFESSOR PAUL: Warum die Barrierefunktion aus der Balance gerät, ist nicht eindeutig geklärt. Bekannt ist aber, dass der Wassergehalt sensibler Haut geringer ist. Ob das aber die Ursache oder Folge der gestörten Barrierefunktion ist, bleibt unklar. Messungen ergaben, dass der pH-Wert bei Menschen mit empfindlicher Haut erhöht ist, das heißt der Säureschutzmantel ist nicht intakt. Dadurch können irritierende Substanzen leichter eindringen.
HAUTREPORT: Woran erkenne ich allergische Haut?
PROFESSOR PAUL: Die typischen Missempfindungen bei Patienten mit allergischer Haut sind Juckreiz, Kribbeln, Brennen und Hautspannen. Die Ausprägung dieser Symptome variiert stark von Mensch zu Mensch und kann bei manchen die Lebensqualität deutlich einschränken. Manchmal entstehen flächige Rötungen, raue Stellen oder Abschuppungen. Wie gesagt, allergische Haut muss von Hauterkrankungen wie einer Kontaktallergie gegen Duftstoffe oder andere Inhaltsstoffe von Hautpflegeprodukten unterschieden werden. Zudem können verschiedene Erkrankungen oder auch die Einnahme von Medikamenten dazu führen, dass die Haut empfindlich reagiert.
HAUTREPORT: Wie soll man allergische Haut pflegen?
PROFESSOR PAUL: Allergische Haut sollte vorsichtig und individuell gepflegt werden, damit sie gut geschützt ist, nicht krank wird oder vorzeitig altert. Menschen mit diesem Hauttyp reagieren sehr empfindlich auf verschiedene Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten. Bei Hautreizungen sollten zunächst alle Pflegeprodukte abgesetzt werden. Wenn die Haut sich beruhigt hat, verwendet man zunächst duftstofffreie Produkte mit wenigen bewährten Inhaltsstoffen. Wer sich am Eigengeruch der pflegenden Rohstoffe stört, kann auf Hautpflegeprodukte zurückgreifen, die nur geringe Duftstoffkonzentrationen und keine deklarationspflichtigen Duftstoffe enthalten. Bei Menschen mit so genannter allergischer oder empfindlicher Haut ohne positiven Hauttest ist das oft bereits ausreichend. Vermeiden sollte man dagegen Pflegeprodukte, die als Duftstoffe große Mengen an ätherischen Ölen enthalten. Verträglichkeitsprobleme kann auch der Inhaltsstoff Alkohol verursachen, der oft als Konservierungsmittel verwendet wird. Alkohol trocknet die Haut aus und schädigt die Hautbarriere, so dass allergen wirksame Stoffe leichter eindringen können.
HAUTREPORT: Wo erhalten Menschen mit allergischer Haut
die für sie geeigneten Pflegeprodukte?
PROFESSOR PAUL: Wer Probleme mit der Haut hat, sollte sich beim Dermatologen beraten lassen. Gut beraten sind Menschen mit empfindlicher Haut auch in der Apotheke. Bewährte Produkte mit getesteten Inhaltsstoffen sind sicher eine gute Wahl.
HAUTREPORT: Herr Professor Paul, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Alle Fotos (sofern nicht anders gekennzeichnet) können zur kostenfreien Veröffentlichung heruntergeladen werden. Abdruck honorarfrei bei Quellenangabe frei-HautforschungsInstitut
Dieser Artikel mit der SuperID 3r2 findet sich auch in der PDF-Datei der HautReport-Ausgabe 2010 Januar / Februar (SuperID: 8R2 )

